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Prävention

Prävention

Anlaufstelle

Anlaufstelle für Verdachtsfälle strafbarer Handlungen an Minderjährigen,
volljährigen Schülern und Mitarbeitern der Benediktinerabtei Ettal:

Rechtsanwältin Monika Endraß
Balticusstraße 6
81243 München
Tel.: 089 / 71 73 41
Fax: 089 / 71 40 666
e-Mail: kanzlei@anwalt-endrass.de
http://www.anwalt-endrass.de

Sachstandsbericht

Der externe Ermittler Rechtsanwalt Pfister betont in seinen Berichten, dass sich die Verhältnisse in Schule und Internat seit 1990 deutlich verbessert hätten und nicht mehr vergleichbar seien mit den früheren Zeiten, in denen sich die meisten von ihm beschriebenen Vorkommnisse ereignet haben. Hierzu haben sicherlich die bereits seit vielen Jahren in Schule und Internat installierten Strukturen zur Prävention und offenen Kommunikation beigetragen. Unser Kloster wird diese weiter ausbauen, intensivieren und deren Nachhaltigkeit fördern.

Wichtigste Aufgabe sind die Begleitung der Entwicklung der uns anvertrauten jungen Menschen zu eigenverantwortlichen, glaubensstarken und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten, sowie der Schutz und die Förderung des Kindeswohls. Die klösterlichen und weltlichen Erzieher und Lehrer sind hierfür verantwortlich. Eine wirksame Prävention muss alle Personen sensibilisieren und befähigen, aktiv hierfür einzutreten.

Pflichtenkatalog bei Neueinstellungen

Um die Qualifikation des eingesetzten Erzieher- und Lehrpersonals weiter zu verbessern, hat die Abtei bei Neueinstellungen von Erziehern und Lehrern einen erweiterten Pflichtenkatalog erarbeitet, der neben Auskunftspflichten auch das Vorlegen des erweiterten aktuellen polizeilichen Führungszeugnisses umfasst.

Unser Kloster ist sich bewusst, dass gerade auch an die Ordensmitglieder strengere Maßstäbe an die Qualifikation und persönliche Eignung gestellt werden müssen.

Aus- und Fortbildung

Es werden kontinuierlich Fortbildungsmaßnahmen besonders gefördert, in denen die in der pädagogischen Arbeit Verantwortlichen für das Thema „Sexueller und gewalttätiger Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ sensibilisiert werden. Sie müssen u. a. sensibilisiert werden für das Verhältnis von Macht, Machtgefälle und Machtmissbrauch und darin dass es auch unterhalb der Schwelle strafbarer Handlungen Verhaltensweisen gibt, die im pastoralen oder erzieherischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen zwingend zu meiden sind (z. B. Distanzlosigkeit oder unangemessene vertrauliche Berührungen).

Zur weiteren Verbesserung der fachlichen Fort- und Weiterbildung beteiligt sich das Internat Ettal an den Angeboten des sog. „Edukanats“ der Vereinigung Katholischer Internate und Tagesheime (VKIT) als Einrichtung zur internatsspezifischen Aus- und Fortbildung.

Standards

Klare Verhaltensregeln stellen eine fachlich adäquate Distanz und einen respektvollen Umgang zwischen den Mitarbeitenden und den betreuten Schülerinnen und Schülern sicher. Alle in der pädagogischen Arbeit Tätigen müssen sich an anerkannten Standards zur angemessenen Wahrung von Nähe und Distanz zu den betreuten Kindern und Jugendlichen orientieren. Sie sind verpflichtet zu einer angemessenen Abgrenzung zwischen beruflichem Engagement und persönlichem Leben. Eine wirksame Prävention muss Erzieher, Lehrer und andere Verantwortliche befähigen, Menschen, die sexuell übergriffig handeln, mit den problematischen Aspekten ihres Verhaltens zu konfrontieren und zu korrektem Handeln aufzufordern. Es ist bekannt, dass die beste Prävention darin besteht, dass ein Klima herrscht, in dem über Sexualität und die Gefahr sexuellen Missbrauchs offen gesprochen werden kann und in dem wechselseitige unterstützende Kritik zum alltäglichen Umgang gehört. Die Leitungsverantwortlichen sollen von sich aus auf Mitarbeiter zugehen, bei denen auffälliges Verhalten bemerkt wird. All das wollen wir in Ettal besonders fördern.

Transparente Beschwerdestrukturen

Wir wollen, für das Internat und die Schule in Ettal schützende Strukturen, die Gefährdungsmomente minimieren, dazu gehören insbesondere auch transparente Beschwerdestrukturen. Neben den an Gymnasien üblichen Meldestrukturen (Verbindungslehrer, SMV und Elternbeirat) gibt es in unserem Internat schon seit einigen Jahren zusätzliche Vertrauensstellen (z. B. Ansprechpartnerin für Internatseltern, Sprecher für die einzelnen Internatsgruppen und für das Internat insgesamt mit durch die Hausordnung festgelegten Mitwirkungsrechten).
Als externe Vertrauensperson wurde am 6. April 2010 Rechtsanwältin Monika Endraß bestellt. Alle Schülerinnen und Schüler, Lehrer, Eltern, Mitarbeiter in der Schule, im Internat oder in den klösterlichen Betrieben können sich bei Verdacht auf strafbare Handlungen durch Klosterangehörige und Mitarbeiter der Benediktinerabtei Ettal an sie wenden (z. B. bei Verdacht auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und bei Körperverletzung).

Qualitätssicherung und -entwicklung

Wir sehen Evaluationsmaßnahmen als grundlegende Voraussetzung für die Weiterentwicklung und Optimierung sowohl der Effektivität als auch Effizienz unserer Arbeit an. Im Jahr 2000 fand eine erste Evaluierung von Schule und Internat durch das Unternehmen „Bridges“ aus Berlin statt. In den Schuljahren 2007/2008 und 2008/2009 nahm das Gymnasium erneut an einer breit angelegten Evaluierungsmaßnahme teil. Dabei wurde das SEIS-Instrument (Selbstevaluierung in Schulen) der Bertelsmann-Stiftung einschließlich der zusätzlichen Dimension „Katholische Schule“ eingesetzt. Ergänzt wurde dies durch eine Visitation unserer Schule durch „critical friends“. Aufgrund der gemeinsamen Auswertung von Evaluation und Visitation wurden Handlungsfelder zur Verbesserung der Schulqualität festgelegt. Die Ergebnisse führten dazu, dass unserer Schule vom Katholischen Schulwerk in Bayern das Qualitätssiegel SEIKS (Selbstevaluation in katholischen Schulen) zuerkannt wurde.

Stärkung von Mädchen und Jungen

Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist es, Mädchen und Jungen zu stärken, so dass sie im Fall von unangemessener Ansprache und von unangemessenen Berührungen in der Lage sind, diese zurückzuweisen und über sexuelle Missbrauchserfahrungen zu sprechen sowie Erwachsene zu Hilfe zu holen. Dieses Ziel verfolgen wir schon seit vielen Jahren durch spezielle Unterrichtsprojekte in der Drogen- und Gewaltprävention und in der Prävention gegen sexuelle Übergriffe (z. B. Selbstverteidigungstraining für Mädchen). Hierzu gehört auch das „boys and girls-Projekt“, das derzeit für die 7. Jahrgangsstufe angeboten wird.

Interdisziplinäre Vernetzung

Zur Durchführung einer verantwortungsvollen Präventionsarbeit ist örtliche und überörtliche Netzwerkarbeit erforderlich. An unserem Gymnasium arbeiten wir gut mit dem Kreisjugendring, Condrobs und Jugendbeamten der Polizei zusammen. Über neue Projekte und Seminare zur Prävention fand am 3. Mai 2010 ein Treffen mit Vertretern des Jugendamtes im Gymnasium und Internat statt.

Konzeptionelle Neuorientierung

Im November 2009 wurde das Projekt „Internat Ettal 2015“ unter Mitarbeit von Schülern, Eltern und einem externen Berater begonnen. Dabei geht es um die zeitgemäße Gestaltung der Internatserziehung in Ettal. Am 3. Mai 2010 erörterten Vertreter des Klosters und ehemalige Schüler Konzepte zur Neuorganisation von Schule und Internat. Es wurde dabei vereinbart, dass diese Arbeitsgruppe gemeinsam mit dem externen Berater das Projekt fortsetzen wird. Hierzu fanden in den zurückliegenden Wochen weitere Treffen und Gespräche statt. Ein an alle Eltern und Schüler versandter Fragebogen zur gegenwärtigen Situation und zu den Erwartungen an die künftige Gestaltung des Internats wird derzeit von dem externen Berater ausgewertet.

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