Im Januar 1622 wird Jean-Baptiste Poquelin geboren und mit
Sicherheit hat noch niemand vermutet, dass der neugeborene Junge später
weltweite Berühmtheit erlangen würde, wenn auch unter anderem Namen.
Nach einer humanistischen Schulausbildung sollte er eigentlich in die
beruflichen Fußstapfen seines Vaters treten und Tapezierer werden.
Doch Jean Baptiste entschied sich für eine Karriere als
Theaterschauspieler. Er gründete mit einigen Gleichgesinnten eine
Theatergruppe, die sich die größten Illusionen auf ein Leben als
gefeierte Schauspieler Paris und ganz Frankreichs machten. Am deutlichsten
äußerte sich dies wohl am gewählten Namen für die Truppe: „Illustre
Théâtre“ — „Berühmtes Theater“.
Doch eine Schauspielergruppe braucht auch ein Haus für die
Vorführungen. Also wurde ein Ballspielhaus gemietet und für die Zwecke
der Bühne umgebaut, was natürlich mit enorm hohen Kosten verbunden war,
die die Theatereinnahmen begleichen sollten. Doch zu nennenswerten
Theatereinnahmen kam es erst gar nicht, denn schon nach wenigen
Vorführungen musste die Truppe vor einem leeren Haus spielen.
Da niemand von ihnen die Schulden abzahlen konnte, wurde
Molière — wie er sich seit kurzem nannte — im Gefängnis eingesperrt
und konnte erst durch eine Kaution freigekauft werden.
Man könnte meinen, dass für jeden normalen Menschen der
Traum vom großen Theaterruhm ein Ende hätte. Aber Molière war kein
normaler Mensch. Er schloss sich einer andren Theatergruppe an. Innerhalb
dieser Gruppe brachte er es bald zum Anführer: Zunächst musste er einige
Stücke leicht ändern, um sie spielbar zu machen, mit der Zeit jedoch kam
es dazu, dass er ein eigenes Stück verfasste, 1655, im Alter von 33
Jahren also.
Und dieser Aufstieg innerhalb der Gruppe setzte sich nun in
der Theaterwelt Frankreichs fort. Molières Stücke wurden immer
bekannter, bei vielen Premieren seiner Stücke waren die
Theateraufführungen ausverkauft.
In seinen Stücken greift Molière verschiedene
Bevölkerungsschichten und Berufe immer wieder stark an. Zu seinen
Lieblingsopfern gehören die adligen Marquis, die er ihrer Ernsthaftigkeit
wegen auf der Bühne bloßstellt. Ebenso wichtig sind in seinen Komödien
die Ärzte, gegen die Molière ganz besonders heftig anschrieb und deren
Verhöhnung in seinem letzten Stück, dem „eingebildeten Kranken“ ihren
Gipfel erreicht. Aber auch andere Persönlichkeiten werden in seinen
Stücken wie in der Zirkusarnea vorgeführt: Geizhälse, Jagdbesessene,
tyrannische Ehemänner, Frauen, die in ihrem Bildungswahn
nicht mehr bemerken, wie lächerlich sie sich machen, schlechte Dichter,
die von eigenen Werk überzeugt sind Doch Erfolg und Kritik schaffen
Feinde, was Molière des Öfteren auf schmerzliche Art und Weise erleben
musste: Einmal wird sein Theaterhaus von adligen Gegnern abgerissen, ein
anderes Mal verbreiten sich vor der Geburt seines ersten Kindes die
hartnäckigen Gerüchte in Paris, Molière habe Inzucht begannen und
schließlich entstehen als Antwort auf sein Stück „Don Juan“ mehrere,
sehr beliebte, Streitschriften gegen Molière. Doch in allen, oder
zumindest den meisten, Problemen und Streitigkeiten kommt der
französische König Ludwig XIV., der Sonnenkönig, zu Hilfe.
Diese Unterstützungen und Zuwendungen von Seiten des Königs
führten zu einem für die damalige, absolutistische Zeit relativ
provokanten Umgang des Schauspielers und Dichters mit dem Sonnenkönig.
Doch Molière konnte sich nicht nur über andere lustig
machen. Ins einem Stück „Der Menschenfeind“ stellt er einen
griesgrämigen Mann dar, der die Ansicht vertritt, jeder müsse immer und
in jeder Angelegenheit die Wahrheit sagen. Dies bringt ihn zwar beinahe
ins Gefängnis, aber er steht hinter seiner Meinung. Hier hat Molière
vermutlich sich selbst portätiert.
Molière war also ein Mensch, der trotz allen Wiederstandes
und trotz des oft offenen Kampfes gegen ihn immer wieder aufstand und
weitermachte. Aber dies und die Tatsache, dass er in manchen Jahren bis zu
drei Komödien verfasste, unzählige Stücke einstudieren und in ihnen die
Hauptrolle spielen musste und über längere Zeit von Krankheit gequält
wurde, macht erklärlich, warum Molière am 18. August 1880 starb – mit
nur 52 Jahren. Er war so vom Theater besessen, dass er an der Arbeit und
am Stress zu Grunde ging.
Er gab gerade eben eine der ersten Vorstellungen von „Der
eingebildete Kranke“. In dieser Rolle konnte er vermutlich glänzen
wie in noch keiner je zuvor: Er spielte einen gesunden Menschen, der
glaubt, totkrank zu sein. Er als tatsächlich Totkranker konnte die
Husten- und Schwächeanfälle, die Verzweiflungen angesichts der
vermeintlichen Krankheit wohl besser spielen als jemals irgendein anderer
Schauspieler sie wird spielen können. Während dieser Aufführung erlitt
er einen Blutsturz und starb kurze Zeit später in seinem Haus.
Was Molière bis heute so lustig macht, ist wohl die
Verbindung aus Schauspieler und Theaterdichter, die bis heute ihres
Gleichen sucht. Er konzipierte ein jedes Stück vollkommen darauf, wie es
auf der Bühne wirken könnte — und das tut es auch heute noch.
„Neue Größen, neue berühmte Geister und Bücher mögen
erscheinen, die Kultur der Zukunft ändern und ergänzen. Es bleiben fünf
oder sechs unvergängliche Werke, die fest in der Wurzel allen
menschlichen Denkens eingegraben sind. Molière gehört zur Schar derer,
die immer gegenwärtig sein werden.“ (Sainte-Beuve,
franz. Literaturkritiker und Schriftsteller)
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