Ettal - Das Weihnachtskonzert am Ettaler
Benediktinergymnasium ist traditionsgemäß immer gut besucht. Heuer
allerdings überlegte Schulleiter Pater Maurus in seiner Begrüßung, ob es
nicht gescheiter sei, die Veranstaltung ob der kaum unterzubringenden
Besucherschar im nächsten Jahr in die Basilika zu verlegen. Die musikalisch
mit reichlich Talent gesegneten Schüler und Schülerinnen beeindruckten am
Montagabend einmal mehr mit einer bemerkenswerten Darbietung.
Nach dem "Schäfertanz" von Tylman
Susato, vorgestellt vom Blechbläserensemble, weihten Chor und Orchester mit
Marc-Antoine Charpentiers "Te Deum" zwei neue Pauken ein. Die beiden
Musikinstrumente, die unter anderem aus Spenden vom Sommerkonzert
finanziert wurden, kamen nicht nur in dem als Eurovisionshymne bekannten
Stück sehr gut Geltung. Im Anschluss erntete der Unterstufenchor gemeinsam
mit der Kammermusik für Uwe Petersens "Kleines Weihnachtsoratorium"
großen Beifall. In Erstaunen versetzte der erst elfjährige Luis Neuner aus
der 5b das Publikum: Wie kann ein so junger Bub so schnell und virtuos das
"Allegro" aus Johann Sebastian Bachs "Konzert für Violine in a-moll"
spielen?
Keine ganz einfache Situation für das
nachfolgende Kollegstufen-Quartett, das diese aber mit einer überzeugenden
Darbietung meisterte. Michael Praetorius' "In dulci jubilo" und das
katalanische Volkslied "Fum, Fum, Fum" zu interpretieren, war der
Wunsch und die Initiative dieser vier Heranwachsenden. Drei von ihnen werden
das Ettaler Gymnasium im kommenden Jahr mit dem Abitur in der Tasche
verlassen. "Pasli ovce valasi" ("Schäfer wachten in der
Nacht"), ein Volkslied aus Tschechien, durfte anschließend als kleine
Hommage an die Partnerschule im tschechischen Ceska Lípa verstanden werden.
In unregelmäßigen Abständen besuchen nämlich Schülergruppen aus den
Nachbarländern einander und begegnen sich im Austausch. Diese Geste der
Völkerverständigung sollte gerade zu Weihnachten und bei diesem Konzert noch
einmal hervorgehoben werden.
Dass der gelungene Abend, bei dem neben den
neuen Pauken auch ein von den Eltern gestiftetes Cembalo zum Einsatz kam,
einiges an Vorbereitung erforderte, versteht sich von selbst: Seit
Schuljahresbeginn haben die 94 Mitwirkenden für dieses Weihnachtskonzert
(und, ganz nebenbei bemerkt, zusätzlich für ein Adventskonzert mit einem
komplett anderem Programm) geprobt. Unter Leitung der Musiklehrer Gisela
Sandner, Uwe Einzmann und Frater Gregor M. Beilhack entführten die
Nachwuchsmusiker ihre Zuhörer für anderthalb Stunden in eine andere, in eine
verträumte Welt. Die überfüllte Internatskapelle hat es ihnen mit
begeistertem Applaus gedankt.
Und wer weiß? Vielleicht öffnet Pater
Maurus ja zum Weihnachtskonzert 2010 tatsächlich die Basilika für
"seine" Schüler ...
Auf die musikalische Förderung der Schüler
wird in Ettal seit jeher großer Wert gelegt. Chöre und
Orchester erreichen dabei stets ein beachtliches Niveau. FOTO: SIEVERS
© Garmisch-Partenkirchener
Tagblatt / Münchener Merkur
Das Foto ist in den Bildergalerien ("für die
Schulfamilie") erreichbar.